EU-Entsenderichtlinie gilt nicht für Transportsektor

Arbeitsrecht EU-weit angleichen

Skandalös ist der Zustand im Transportsektor. Kostet eine Arbeitsstunde in Dänemark zum Beispiel 28 Euro bekommt man die selbe Tätigkeit in Rumänien für 4,40 Euro.

Göppingen, 24.10.2017 - Das Europa der zwei Geschwindigkeiten sollte es im Logistikbereich zweckgemäß nicht geben. Man stelle sich vor, der eine Transport würde schneller laufen, als der andere - bei gleicher Entfernung. Doch während "Kerneuropa" sich an Standards, Qualität und entsprechende Löhne für Lkw-Fahrer und Logistikmitarbeiter kümmern, zahlt das "Europa á la carte" (abgestufte Integration) Billiglöhne und versucht die Löhne der Fahrer-Kollegen mit höhere Spesen aufzumotzen. Leidtragende sind nicht nur die hiesigen Arbeitgeber, welche sich einer offenkundig EU-gewollten Wettbewerbsverzerrung ausgesetzt sehen, sondern vielmehr alle EU-Bürger. Ein osteuropäischer Lkw-Fahrer zum Beispiel zahlt für seine Rente viel zu wenig ein, weil sein Arbeitgeber ihm Billiglohn bezahlt. Den Mitarbeitern droht die einhundertprozentige Altersarmut. Trotzdem fährt dieser Lkw-Fahrer auf z.B. deutschen Straßen. Ein "Transportunternehmen" (oder besser Briefkastenfirma?) im Osten schnappt mit billigen Lkw-Fahrern die Aufträge einer echten Spedition vor der Nase weg.

EU-Entsenderichtlinie

Ein Lkw-Fahrer der für einen z.B. polnischen Unternehmer fährt aber nach z.B. Deutschland entsendet worden ist, dem steht der gesetzliche Mindestlohn zu. Und darüber hinaus der übliche Lohn für Lkw-Fahrer plus Spesen und Prämien.

Ziel: Faire Arbeitsmarktbedingungen

Gestern, am 23.10.2017, tagte die EU: "Wir wollen einen fairen Arbeitsmarkt mit sozialen Rechten, die alle Mitgliedsländer in der Europäischen Union einhalten", sagte Marianne Thyssen, zuständig für Arbeit und Soziales in der EU-Kommission. Entsendungen sollen künftig nicht länger als 12 Monate gelten, in Ausnahmefällen 18 Monate. Überall soll dieselbe Vergütung zu bezahlen sein - inklusive Weihnachtsgeld und Prämien.

Transportgewerbe wurde ausgenommen

Skandalös ist der Zustand im Transportsektor. Kostet eine Arbeitsstunde in Dänemark zum Beispiel 28 Euro bekommt man die selbe Tätigkeit in Rumänien für 4,40 Euro. Seit gut 20 (!) Jahren gibt es die EU-Entsenderichtlinie. Jetzt blockieren die Ostländer Ungarn, Litauen, Lettland und Polen die notwendigen Angleichungen für den fairen Wettbewerb. Aber noch toller: Großbritannien, Irland und Kroatien haben ebenfalls Bedenken für eine Reform. Diese könnte "ihren Transportsektor belasten".

Es bleibt also alles beim alten.

Dabei macht eine Freihandelszone doch nur Sinn, wenn alle Beteiligten in etwa die gleichen Voraussetzungen haben. In der EU haben allerdings die Transportunternehmen im Westen bei dem 100 Meter Lauf Betonklötze an den Beinen. Der viel zu frühe Ostausbau der EU mutiert wirtschaftlich zu einem gigantischen Konstruktionsfehler. Mangelnde Standards und Qualität in der EU sind das Resultat.

LOGDRi.COM fordert Ende der Entsendungsrichtlinie für einfache Dienstleistungen

Welchen anderen Zweck, als Lohndumping, hat denn eine Entsendung von Arbeitnehmern im Transportsektor? Die Rede ist hier ja nicht von Ingenieure, die den Aufbau eines Werkes zu organisieren haben. Wir reden von schlichten Dienstleistungen. Schlichte Dienstleistungen gehören von der Entsendung ausgenommen.